Literarische Hausfassade
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Das weekly photo 35 zeigt eine literarische Hausfassade, aufgenommen in Köln.

via Flickr, CC-Lizenz, © Antony Oliver
Die geheime Sammlung von Polly Shulman
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Ein innerlich wie äußerlich märchenhaftes Buch, das habe ich mir vor der Lektüre von "Die geheime Sammlung" erwartet, und diese Erwartungen wurden auch erfüllt. Als Elizabeth von ihrem Lehrer eine Empfehlung für das Repositorium der verleihbaren Schätze bekommt und tatsächlich dort arbeiten darf, ahnt sie noch gar nicht, um welche Art von Schätzen es hier eigentlich geht. Das Repositorium ist eine Art Bibliothek nur das man hier im wahrsten Sinne des Wortes Alles ausleihen kann.
Unter den verleihbaren Gegenständen befinden sich allerdings auch solche mit magischen Fähigkeiten. Um diese auszuleihen – ob als Besucher oder auch Mitarbeiter – bedarf es aber besonderer Berechtigungen. Als es auch für Elizabeth soweit ist, ist sie vollkommen überwältigt von all den wunderbaren Gegenständen. Um erstmal klein anzufangen, leiht sie sich z.B. einen Kamm aus, der ihr Haar für eine gewisse Zeit ganz besonders glänzend – und sie selbst dadurch anziehend – macht.
Doch irgendetwas Unheimliches geht im Repositorium vor sich. Häufig wird ein merkwürdiger riesiger Vogel gesehen, magische Gegenstände verschwinden und tauchen nicht wieder auf oder werden durch Nichtmagisches ersetzt. Außerdem hat Elizabeth das Gefühl verfolgt zu werden. Wie gut, dass ihr ihre neuen Freunde aus dem Repositorium – Max und Anjali – zur Seite stehen. Und dann ist da auch noch der geheimnisvolle Aaron… Wem kann sie hier wirklich trauen? Und wohin verschwinden all die magischen Gegenstände?
Ich denke, nahezu jeder wird mir zustimmen, dass das Buchcover von "Die geheime Sammlung" einfach nur zauberhaft ist. Da schlägt mein bibliophiles Herz schon nur beim Anblick höher. Doch auch das Anfassen ist dank der Reliefstruktur und Spotlack ein haptisches Vergnügen. Natürlich habe ich mir bei diesem Äußeren extrem viel von diesem Buch erwartet. Allerdings ist es wohl bei Büchern ähnlich wie bei Menschen – nicht allein das Äußere entscheidet darüber, wie gut oder schlecht das Innere ist.
"Die geheime Sammlung" ist ein schönes Buch für Jungen und Mädchen ab 12 Jahren, das mit einem besonders fantasievollen Plot glänzt. Dass hier im Buch Details aus Märchen real werden, fand ich ganz wunderbar. Besonders, als die Kinder das "Tischlein-deck-dich" ausprobieren, war ich ganz fasziniert, ist dies doch Element eines meiner liebsten Märchen aus Kindheitstagen. Da werden Kindheitserinnerungen wach und zu gerne wäre ich selbst ins Buch geschlüpft und hätte mit den Kindern zusammen geschlemmt. Genau diese magischen Details machen dieses Buch so wunderschön. Ich denke, gerade Kindern und Jugendlichen wird es eben aus diesem Grund so gut gefallen. Manchmal möchte man einfach dem Alltag entfliehen und sich von einer märchenhaften Welt einhüllen lassen, in der man alles andere vergisst.
Was der Leser allerdings nicht von diesem Buch erwarten darf, ist viel Spannung. Es liest sich schön und leicht, ist mit ganz besonderen – oben erwähnten – Einzelheiten gespickt und auch die Sprache ist ein Genuss, aber spannend, aufregend oder wahnsinnig überraschend wird es nicht. Da das Buch allerdings auch schon ab 12 Jahren geeignet ist, darf die Handlung natürlich nicht zu komplex oder abenteuerlich werden. Vielmehr denke ich, dass das Buch für jüngere Leser durchaus spannender ist, als für mich, einfach weil ihnen bestimmte Handlungsfolgen vermutlich nicht so offentsichtlich sind wie mir.
Ebenfalls empfand ich die Figuren als etwas zu blass, einzig Aaron wirkte auf mich interessant, weil er von der Autorin wirklich geheimnisvoll dargestellt wird, und man zudem merkt, dass er eigentlich innerlich viel netter ist, als Elizabeth es oftmals empfindet. Durch Aaron kam auch eine angenehme Prise Witz und Humor in das Buch, was die ganze Geschichte sehr aufgelockert hat. Aber ansonsten fehlte es mir hier etwas an Charakter und Emotionen.
Insgesamt betracht ist "Die geheime Sammlung" aber trotz der kleinen Kritikpunkte ein wunderschönes Buch, das zum Träumen und zu einer märchenhaften Lesereise einlädt. Damit trifft es genau den Nerv des aktuellen Trends von Romanhandlungen, die Märchen nochmal neu erzählen und erschaffen.
PAN Verlag
Seitenzahl: 352
Hardcover + Schutzumschlag + Leseband
EUR (D) 14,95
ISBN 978-3-426-28331-8
Erscheinungstermin: 05.05.2010
Der Augensammler von Sebastian Fitzek
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- Schlagwörter:Augensammler, Band 2, Besprechung, broschiert, broschur, Buchbesprechung, buchempfehlung, Buchvorstellung, Der Augenjäger, Empfehlung, Ermittlungen, erscheinungstermin, Ersticken, fortsetzung, gebundene Ausgabe, Hardcover, Kritik, Literatur, literaturkritik, Mord, Mordserie, Rezension, Schutzumschlag, Sebastian Fitzek, September 2011, Spannung, Taschenbuch, Thriller, Vorstellung, wer ist der Mörder
Gleich zu Anfang dieser Rezension möchte ich eine Warnung aussprechen: Bitte beginnt dieses Buch nur, wenn ihr genügend Zeit und Ruhe habt, es gleich am Stück zu verschlingen! Und das sage ich, die eigentlich kaum Thriller liest und der, wenn sie es doch mal tut, die Bücher meist gar nicht zusagen. Sebastian Fitzek hat mich mit "Der Augensammler" sozusagen bekehrt. Es war mein erstes und mit Sicherheit nicht mein letztes Buch von ihm.
An diesem Buch ist nicht nur die Story aufregend, sondern auch der Buchaufbau: Es beginnt mit dem Epilog und der letzten Seite, liest man weiter, so nehmen also Seitenzahlen und Kapitelnummern stetig ab. Den tieferen Sinn dieses Aufbaus erfährt man selbstverständlich im Buch, verraten, weshalb das so ist, möchte ich hier aber der Spannung halber nicht. Zudem wird aus den Sichtweisen der wichtigsten Protagonisten erzählt, wodurch der Leser ganz tief in das Verwirrspiel von Herrn Fitzek um den wahren Mörder hineingezogen wird, denn bei keiner der Figuren ist man sich wirklich sicher, ob sie bei klarem Verstand ist.
Die Hauptperson überhaupt ist aber Alexander Zorbach, der seine Arbeit im Polizeidienst aufgab, nachdem er eine Frau erschoss, die sich und ein entführtes Baby von einer Brücke stürzen wollte. Nach diesem Vorfall fühlt er sich schuldig und benötigt auch jahrelange psychiatrische Hilfe. Mittlerweile arbeitet er als Redakteur einer Zeitung, die sich momentan mit einer ungeheuerlichen Mordserie beschäftigt. Und Zorbach ist direkt dran am Thema; er hört z.B. den Polizeifunk ab, um immer als erster am Tatort zu sein.
Gesucht ist ein Mann, der schon bald die Bezeichung "Augensammler" bekommt, was auf seinen Taten beruht. Diese laufen nämlich alle nach dem gleichen Schema ab: Der Augensammler tötet die Mutter eines Kindes, entführt das Kind, drückt der Leiche der Mutter eine Stoppuhr in die Hand, die zeigt wie lange das Kind noch zu leben hat und findet der Vater (oder die Polizei) das Kind in dieser Zeit nicht, schneidet der Augensammler ihm nach dem Tod das linke Auge heraus. Immer bleiben etwa 45 Stunden, um das vermisste Kind zu befreien.
Soweit, so grauenerregend… dummerweise gerät Zorbach immer mehr ins Blickfeld der Ermittler, da er sich durch sein ständiges Auftauchen an den Tatorten, den Verlust seiner Brieftasche an einem solchen und weitere, sich häufende Details, verdächtig macht. Doch ist Zorbach, der gebrochene Mann, engagierte Zeitungsredakteur und nicht gerade beste Vater für seinen Sohn Julian, wirklich der Täter?
Ich sage dazu nur so viel: Das ganze Buch über habe ich mich mit meinen eigenen geistigen Ermittlungen und Verdächtigungen hin und her geschlagen, verwirren lassen und ständig meine Meinung geändert. Noch nie ist es mir passiert, dass ich so sehr im Dunkeln getappt bin, so oft meine Meinung geändert habe und vor allem so sehr mitgefiebert habe! Wie der Mörder im Buch, spielt Sebastian Fitzek mit dem Leser ein herausragendes Versteckspiel. Und ich habe ganz klar mitgespielt!
Selbst wenn ich dachte: "Jetzt ist aber alles klar, das ist die Auflösung!", hatte ich mich getäuscht! Besonders am Ende des Buches erwartet alle Leser eine Überraschung – mittlerweile habe ich glücklicherweise herausgefunden, dass es voraussichtlich im September 2011 eine Fortsetzung des Buches mit dem Titel "Der Augenjäger" geben wird. Da haben all die anderen Leser und ich aber Glück gehabt!
Was mich ebenfalls sehr angesprochen hat, ist die Aufmachung des Buches. Besonders das Material des Schutzumschlages ist mal etwas ganz anderes. So richtig kann ich es gar nicht beschreiben – es fühlt sich glatter an, als die Buchumschläge sonst, fast schon wie eine Mischung aus Papier und Kunststoff. Ich kann also aus tiefstem Herzen sagen: Dieses Buch ist in jeglicher Hinsicht etwas ganz Besonderes!
Ansprechend fand ich ebenfalls, dass das Buch zwar sicherlich von sehr brutalen Geschehen erzählt, aber nicht die ganze Zeit über ekelerregend blutig oder grauenhaft ist. Großen Wert hat der Autor nämlich auf die privaten Ermittlungen Zorbachs gelegt, der sich zusammen mit einer blinden, ihm unbekannten Frau, immer mehr in die ganze Sache hineinmanövriert. Hierzu empfand ich es als besonders interessant und informativ, in der Danksagung am Ende des Buches, zu lesen, wie ausführlich sich Sebastian Fitzek mit der Lebens- und Gefühlswelt von blinden Menschen auseinander gesetzt hat, damit die Figur der Alina derart real rüberkommt.
"Der Augensammler" ist ein aufwühlender, atemberaubend spannender und unbedingt empfehlenswerter Thriller!
Droemer Verlag
Seitenzahl: 448
Ausstattung: Hardcover mit Schutzumschlag
EUR (D) 16,95
ISBN 978-3-426-19851-3
Erscheinungstermin: 01.06.2010
Wo bleibt die Spannung?
Wie Moulin Rouge, nur weniger sexy, weniger Dessous, weniger aufreizendem Tanz, ja überhaupt weniger Frauen, so kommt Ich und Orson Welles daher. Leider war das aufregendste an diesem Abend die Atmosphäre des Münchner Monopol Kinos.
Richard Linklater, der schon den unterhaltsamen Musikklamauk School of Rock mit Jack Black drehte, hat die Entstehungsgeschichte rund um Orson Welles Julius Caesar Inszenierung im Mercury Theater auf die Leinwand gebannt. New York im Jahre 1937, bald soll das Mercury eröffnen, der Premierentermin verschiebt sich eine Woche um die andere. Die meiste Zeit verbringen die Schauspieler mit dem Warten auf Welles (Christian McKay), der entweder in seinen zahlreichen Radioshows unterwegs ist, um Geld für die Inszenierung zu verdienen, oder sich mit seiner aktuellen Geliebten vergnügt.
Zufällig trifft Richard Samuels (Zac Efron) vor dem Mercury auf Orson Welles, der ihm die Rolle des Lucius gibt. Richard sieht sich schon als gemachter Schauspieler. Seine Laune wird noch besser, als er merkt, dass ihm die hübsche Produktionsassistentin Sonja Jones nicht ganz abgeneigt ist. Doch ob seines jungen Alters romantisiert er alles, was um ihn herum passiert und erkennt erst nach und nach die Schattenseiten des Geschäfts.
Kurzum, mich konnte Ich und Orson Welles nicht begeistern. Alles läuft einen Tick zu brav, zu gesittet hab. Der Film plätschert so dahin, hat durchaus seine Höhepunkte, die jedoch einsam und vereinzelt wie Leuchttürme daher kommen. Dieser Film ist weder ein richtiges Drama, noch eine richtige Komödie. Ja, was ist er eigentlich? ich weiß es selbst nicht so genau.
Sogar die Chance auf einen handfesten Ehestreit (Orson Welles hatte mehrere Geliebte, während seine Frau schwanger war), in den unweigerlich die am Rande beteiligten hineingezogen werden, vergibt Linklater.
Respekt zollen muss man dem Aufwand der Produktion, die sich im Mercury Theater, den Straßen New Yorks der 1930er Jahre, dem Metropolitan Museum of Art und den Wohnungen der Protagonisten abspielt. Für die Aufnahmen, die in dem altehrwürdigen Theater spielen, flog die Crew auf die Isle of Man, um dort in Douglas im wunderbar erhaltenem Gaiety Theater zu drehen. Das Wiederleben des alten New Yorks bedurfte ebenso einiger Mühe.
Freunden des Theaters und Fans von Orson Welles kann ich diesen Film empfehlen. Sie werden ihre Freude haben und über die etwas blut- und gefühlsarme Handlung hinwegsehen können.

