1890,28 Kilometer Autobahn
Als ich diesen Artikel nochmals durchgelesen hatte, fiel mir auf, dass ich in diesem die Frauenwelt in einem nicht allzu guten Licht erscheinen lasse. Dies ist natürlich nicht ernst gemeint, sondern vielmehr mit einem Augenzwinkern zu sehen. Hand aufs Herz: Was wäre die Welt ohne euch? Und jetzt viel Spaß beim Lesen.

Die Autobahn, unendliche Weiten. Kilometer an Kilometer. Zumindest für uns, deren liebstes Kind sowieso das Auto ist. Und wo kann man es besser spazieren fahren, um zu zeigen, dass man selbst doch das schönste hat? In jüngerer Zeit war die Autobahn, dank Maut, Bestandteil der medialen Berichterstattung. Und so war es an der Zeit, dass ich mir dachte: Mensch, also diese Autobahn, die schau ich mir jetzt auch einmal an.
Na gut, ganz so war es nicht. Die Uni-Bürokratie trieb mich zu dieser Fahrt gen Kiel (die dank Navi nicht zur Odyssee ausartete), und sie war gleichzeitg verantwortlich für die Artikelflaute in den letzten Tagen. Exmatrikulieren wäre auch auf dem Briefweg möglich gewesen. Doch zum einen musste ich noch meine Bibliothekskarte abgeben, und zum anderen benötige ich die Exmatrikulationsbescheinigung für meine Immatrikulation in München. Daher musste das Ganze zügig von statten gehen.
Und so verband ich einen Kurzbesuch von Freunden in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins mit dem Gang zur Uni. Bis zur Rückkehr würde ich circa 1890,28 Kilometer Autobahn zurück gelegt haben. Wenn die Autotür zufällt, passiert etwas wundersames, eine Art Metamorphose. Da werden Menschen zu rücksichtslosen Dränglern, Mittelstreifenschleichern oder zu denen die sowieso und alles blockieren und ihren Führerschein in der örtlichen Lotto-Annahmestelle abgeholt haben. Doch gleich welchen Auswuchs diese Umwandlung annimmt, eines eint sie alle. Sie wissen es selbst am aller besten.
Einige Dinge haben mich auf dieser Deutschland-Tour begleitet. Allen voran:
Mein Navi

Wenn ich weibliche Züge besitzen sollte, äußern sie sich in meinem katastrophalen Orientierungssinn. Wie mir von einigen Freunde nachgesagt wird, kenne ich auch nach mehrmaligem Befahren einer Kurzstrecke noch nicht den Weg. Daher ist es für mich selbstverständlich stolzer Besitzer eines Navis zu sein.
Nein, kein „TomTom, das dir alle Blitzer in Afrika zeigt und gleichzeitig deine Konzertkarten kauft“ Navi, sondern eines von Medion. Genau, „Aldi-Zulieferer-Medion“. Als Student reicht das. Obgleich der Weg nicht besonders schwer war (immer der A 7 nach), habe ich es über die Zeit trotzdem ins Herz geschlossen. Es hat mir schon so manchen treuen Dienst geleistet.
Welch entspannte Atmosphäre doch in einem Auto herrschen kann, wenn nicht gleichzeitig 4 Personen damit beschäftigt sind die Karte zu studieren und jeder andere Richtungsanweisungen gibt. Und welche Wonne die erstaunten „Oh“ Rufe der weiblichen Beifahrer sind, wenn man sich konsequent ihren Weganweisungen widersetzt, auf das Navi hört, und trotzdem ans Ziel gelangt.
Meine Mitfahrer
In diesem speziellen Fall tituliere ich nicht die Mitinsassen als „Mitfahrer“, sondern alle welche auf meiner Fahrt irgendwann mal vor, hinter, oder neben mir her gefahren sind. Ein paar von euch habe ich Flüche hinter her geworfen, die besser niemand hört, geschweige denn liest. Bei ein paar von euch habe ich über mal lustige, mal idiotische Nummernschilder gelacht. Zum Beispiel ein Mitbürger aus der sächsischen Gemeinde Dessau-Roßlau, mit dem KFZ-Kennzeichen „DE“. Mich hat es sehr amüsiert, dass du dich entschieden hast, noch ein Doppel P hinter den Strich zu setzen.

Mit Spannung verfolgte ich auch so manches Elefantenrennen. Dabei musste ich mich immer wieder über Mitfahrer wundern, die einem LKW, welcher sich auf der linken Spur befindet, dicht auffährt. So ein 40t hat einen Spiegel links, und einen rechts. Aber was direkt hinter seinem LKW ist, sieht er nicht. Wieso also so dicht auffahren? Ebenso bin ich ein Freund von radikalen Strafen für Drängler.

Wer schnell Auto fahren möchte, ok. Gerne. Wer den Tag über mit seinem Porsche im Stadtverkehr 20 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, will doch auch mal Gas geben. Doch ich weiß nicht, woher der Drang von vielen Schnellfahrern kommt, unbedingt wissen zu wollen, wann der Vordermann das nächste Mal zum TÜV muss.
Meine Landschaft

Schön. Nicht so schön ist es im Tunnel. Und wieso sind die Wände des Elbtunnel gefliest?

Meine Pause

Pausen sind unerlässlich. Spätestens wenn der Tank leer ist. Persönlich bevorzuge ich größere Raststätten, die von sog. Ketten geführt werden. Das Essensangebot ist meist reichhaltiger, ebenso sind die Räumlichkeiten oft sauberer gehalten. Pausen bieten, neben der kurzzeitigen Erholung, Abwechslung von der ewigen Monotonie der Autobahn, dem immer gleichen Grau der Straße und der Leitplanken. Nach einigen Stunden im Auto ist es doch gleich viel schöner ein paar Schritte gehen zu können.
Mein Fazit
Die Autobahn ist interessant, monoton, stinklangweilig, aufregend, und manchmal leider auch tödlich. Die Vorfreude auf die baldige Ankunft mischt sich mit aufkeimenden Schmerzen im Rücken, der Gedanke erst die Hälfte der Strecke hinter sich zu haben verfliegt beim Anblick eines Nummernschildes, das zum Schmunzeln anregt. Irgendwie ist die Autobahn wie das Leben. Oh je, jetzt wird es philosophisch. Der stete Fluss der Autos, unaufhaltsam, bei Tag und Nacht. Es werden Leben genommen, und ein Kind kam sicher auch schon einmal während einer Fahrt auf der Autobahn auf die Welt. Oder wurde ein paar Meter von ihr entfernt auf einem dunklen Rastplatz gezeugt, der neben dem Zirpen der Grillen vom Quietschen der Stossdämpfer einiger Autos beschallt wurde.
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