Das Mondamulett von Linda Holeman

Die Geschichte von Das Mondamulett beginnt um circa 1850 in Afghanistan und spielt über mehrere Jahre außerdem auch in Indien und England.

Darya ist ein außergewöhnliches und sehr energisches Mädchen in einer Welt voller Zwänge und Unterdrückung. Ihr Glaube sieht in den Frauen wertlose Geschöpfe. Sie haben nichts zu sagen, schon gar nicht zu denken, nicht zu empfinden und nicht glücklich zu sein. Es gibt feste Vorschriften, die jede Kleinigkeit des Benehmens einer Frau und die harten Strafen im Falle von Abweichungen regeln. Darya fiel es schon immer sehr schwer, sich an Regeln zu halten. Sie ist anders als alle Mädchen in ihrem Dorf: sie denkt und sie fühlt, und das macht es ihr unmöglich, zu ihrer Umwelt zu passen, zu den Menschen, die sie so nicht akzeptieren wollen.

Die Situation spitzt sich dramatisch zu, als Daryas Vater sich eine Zweitfrau nimmt. Doch ist sie, Sulima, eine Ungläubige. Sie verschleiert sich nicht und benimmt sich unverschämt in den Augen der gläubigen Gemeinschaft. Konflikte in der Familie sind vorprogrammiert. Darya sieht in Sulima einen bösen Dschin und fürchtet sich vor ihr. Als Darya die Zweitfrau ihres Vaters mit einem Liebhaber im Haus ihrer Eltern erwischt, belegt Sulima sie mit einem furchtbaren Fluch: Darya soll für immer unfruchtbar sein. Auf diese Weise verliert Darya all ihre Aussichten auf eine Heirat und damit auf eine Zukunft. Denn in der Welt, in der sie lebt, ist eine Frau, die keine Söhne gebären kann, nicht mehr wert als der Staub unter den Hufen eines Kamels.

Aus dieser Not heraus wird Darya an einen Nomaden, einen Paschtunen, der noch nichts von dem Fluch wissen kann, verkauft. Doch auch hier findet Darya keine Ruhe. Sie ist bereits die dritte Frau, die ihrem Ehemann keine Kinder gebärt und auch wenn ihr klar ist, dass es nicht nur an ihr liegen muss, büßt sie furchtbar für diese Tatsache. Ihr Mann schlägt sie regelmäßig beinahe zu Tode, bis sie sich eines Tages gezwungen sieht zu fliehen mit nichts mehr, als den Kleidern an ihrem Leib.

Damit beginnt ein weiterer Abschnitt ihrer schweren Geschichte. Der Leser kann sich immer wieder nur wundern, woher Darya die Kraft nimmt, weiter zu machen und wie sie es schafft, an den Erlebnissen, die ihr zustoßen, nicht zu zerbrechen.

Das Mondamulett ist die indirekte Fortsetzung zu Smaragdvogel. Indirekt, weil wir einige der Hauptprotagonisten des ersten Teils hier wiedertreffen. Smaragdvogel muss man zum besseren Verständnis von Das Mondamulett jedoch nicht lesen. Beide Bücher enden ziemlich abrupt mit einer nur sehr kurzen Sequenz des Glücks nach einem sehr langen Leidensweg. Diese beinahe zu kurze Glücksequenz ist der nahezu einzige Mangel dieses Buches.

Der Aufbau des Buchs selbst ist gut strukturiert und folgt klaren Linien. Man verliert zwischendurch ein bisschen das Zeitgefühl, aber so muss es der Protagonistin auch ergangen sein. Die Geschichte wird aus der Sicht von Darya erzählt, wie eine Art Erinnerung an vergangene Zeiten, zu denen sie bereits einigen Abstand gefunden hat. Das macht es mir als einen für Gewalt (über)empfindlichen Leser einfacher, mit Darya die Geschichte zu erleben und das zum Teil grauenvoll Erlebte auf Abstand zu halten und zu überwinden.

Kurzum: Das Mondamulett ist spannend, gut recherchiert und gut geschrieben. Kulturinteressierten Lesern kann ich es ausdrücklich ans Herz legen.

Linda Holeman: Das Mondamulett, Aus dem Englischen von Monika Köpfer, Taschenbuch, 640 Seiten, 9.95 €, Goldmann, ISBN 978-3-442-46557-6, November 2007


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