Die Arena von Stephen King
Jan 25th, 2010 | By Daniela Möhrke | Category: aktuell, rezensionen
Stephen King – Meister der Spannung? Das ist nach der Lektüre von Die Arena wirklich eine berechtigte Frage! Wenn man den Namen Stephen King liest, der auch noch auf einem richtig dicken Buch steht, dann erwartet man doch eines definitv: Spannung! Leider werden diese Erwartungen ziemlich enttäuscht.
Los geht es in Chester's Mill, einer Kleinstadt in den USA. Und anfangs klingt alles auch wirklich noch ganz spannend. Ein Flugzeug prallt mir nichts dir nichts in eine unsichtbare Barriere und stürzt ab, an der Barriere – auch Kuppel oder Dome genannt – bleibt eine Feuerwand zurück. Andere werden von der Kuppel zerteilt oder fahren dagegen. Die mysteriösen Geschehnisse häufen sich und setzen schon bald alle Bürger von Chester's Mill in Aufruhr. Hinzu kommt, dass auch ein Mörder unter ihnen ist.
Was passiert nun also, wenn eine Stadt plötzlich vom Rest der Welt abgeschirmt ist? Schnell geht es in einer solchen Situation nur noch ums nackte Überleben. Es werden Intrigen gesponnen und Streit und Konflikte – wenn man es nett ausdrückt – sind an der Tagesordnung. Kurz gesagt: Es herrscht komplettes Chaos. "Barbie" – Dale Barbara – ist einer der ersten, der an den Ort des Geschehens gelangt und ihn begleitet der Leser auch im weiteren Verlauf des Buches sehr gern. Seine teils leicht grummelige Art macht ihn dabei nicht unsympathisch.
Ansonsten ist Herrn King hinsichtlich der Figuren kein Glanzstück gelungen. Ersteinmal sind es so viele, dass selbst knapp 1300 Seiten nicht reichen, um sie dem Leser auch nur ansatzweise nahe zu bringen. Die meisten sind einem schlichtweg egal, obwohl natürlich auch die ein oder andere dabei ist, mit der man mitfiebert oder der man am liebsten Pest und Cholera an den Hals wünschen würde. Ingesamt betrachtet, sind sie jedoch größtenteils fad und langweilig. Schade, denn interessante Figuren sind es doch, die ein Buch tragen.
Da ist es nur selbstverständlich, dass es auch mit dem Spannungsbogen nicht so richtig funktioniert. Schon während der ersten 100 Seiten kann es dem Leser zu viel werden, mit Menschen, die gegen diese ach so furchteinflößende und skurrile Kuppel stoßen bzw. davon verletzt oder getötet werden. Da kommt eine Szene nach der anderen, die sich im Prinzip nur in Ort, Person und Art des Aufpralls oder Zerteiltwerdens unterschieden. Wahnsinn – das ist ja echt mal einfallsreich.
Im weiteren Verlauf ändert sich das zwar, weil mittlerweile natürlich alle bescheid wissen, aber letztendlich bleibt es doch bei einer Tatsache: King schreibt hier viel und vor allem viel nach dem gleichen Schema. Er fesselt den Leser nur selten, schafft es nicht ihn über hunderte Seiten mühelos hinwegzutragen. Wenn ein Buch schon nicht von sonderlichem literarischen Anspruch geprägt ist, dann sollte es doch wenigstens gut unterhalten. Tatsächlich wird es aber immer mehr zur Qual. Nicht umsonst spricht man ja von quälender Langeweile.
Der angebliche Meister der Spannung ist wohl eher ein Meister vieler bedeutungsloser Zeilen, ein Meister der Papierverschwendung könnte man auch sagen. Ärgerlich ist zudem, dass es nie eine vernünftige Erklärung für das Auftreten der Kuppel gibt. Schade, aus der Grundidee von Die Arena hätte man durchaus etwas Ordentliches machen können. Aber so ist es nur ein vom Namen des Autors zeitweise getragener Bestseller, der früher oder später in der Versenkung verschwinden wird.
Stephen King: Die Arena aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 1280 Seiten, ISBN 978-3-453-26628-5, November 2009, Heyne Verlag

"Der angebliche Meister der Spannung ist wohl eher ein Meister vieler bedeutungsloser Zeilen, …" finde ich ein sehr harsches Urteil, wenn man nur ein einziges Buch dieses Autors gelesen hat. Mal abgesehen davon, dass Sie sonst nach eigener Aussage anspruchsvolle Literatur bevorzugen und offensichtlich nicht zur Zielgruppe gehören.
"Er fesselt den Leser nur selten,…" trifft auf Sie zu, aber in meinem Freundeskreis gibt es viel (vermutlich anspruchslosere oder gar dümmere) Leser, dieses Buch gerne gelesen haben und es durchaus spannend fanden.
Hallo Antonia,
erstmal vielen Dank für den Kommentar.
Schon als ich meine Rezension geschrieben habe, war ich mir ziemlich sicher,
dass viele diese nicht verstehen können oder wollen. Aber es ist ja vollkommen in Ordnung unterschiedliche Meinungen zu einen Buch zu haben.
Ich persönlich empfinde meine Rezension durchaus als gerechtfertigt, denn so hat das Buch eben auf mich gewirkt. Es geht ja hier um ehrliche Meinungen.
Dass ich anspruchsvolle Literatur bevorzuge, stimmt absolut nicht. Ich habe lediglich gesagt, dass ein Buch entweder gut unterhalten muss (was ich mir beim Buch von King erhofft hatte) oder aber, dass es vom Schreibstil – also in literarischer Hinsicht – etwas Besonderes bietet, auch wenn das Buch vielleicht nicht wahnsinnig spannend, dafür aber schön geschrieben ist.
Es ist also für mich ein entweder oder – eines von beidem sollte ein Buch haben. Und “Die Arena” hatte eben beides nicht.
Das hat für mich nichts mit zu hohem Anspruch, niedriger oder hoher Intelligenz zu tun. Jeder hat eben seine eigenen Vorstellungen zu einem Buch und es wird wohl nie ein Buch geben, das jedem gefällt. So ist das nunmal bei den Menschen – jeder ist vollkommen individuell und hat ganz eigene Vorlieben. Nun gehört also Stephen King für mich definitv nicht zu Büchern, die ich bevorzugen würde. Ich finde das nicht dramatisch. Wenn andere es gern lesen, dann will ich denjenigen absolut nicht ihre Freude nehmen. Wie gesagt: Ich vertrete hier nur meine erhliche Meinung, denn alles andere wäre den Lesern von SauberEingeschenkt.de gegenüber unfair.
Ich hoffe das reicht als Erklärung soweit aus.
Herzliche Grüße