Erebos von Ursula Poznanski

Eines ist "Erebos" definitiv: anders als alle anderen Bücher! Klar wird das dem Leser schon auf der ersten Seite und dieses Buch hält sein hohes Niveau an Spannung, Originalität und Genialität bis zur letzten Seite. Nur selten hat man das Glück, ein Buch zu lesen, das nicht ein einziges mal langatmig wird. "Erebos" ist sozusagen eine Definition von Spannung!

Worum es in einem solchen Buch geht, fragt man sich nun sicher! Es passiert wirklich einiges! Die Hauptfigur ist Nick – er geht noch zur Schule und ist eigentlich ein ziemlich bodenständiger, intelligenter sowie cooler Junge. Doch plötzlich geht irgendetwas Geheimes vor sich. Viele der Jugendlichen benehmen sich merkwürdig, flüstern auf den Gängen in der Schule und tauschen etwas untereinander aus. Nick interessiert das brennend und schon bald wird er eingeweiht.

Es ist ein Spiel, das da herumgereicht wird und es heißt "Erebos" aber eigentlich dürfte ich das jetzt schon gar nicht weitererzählen, denn nur Eingeweihte dürfen darüber sprechen. Lange dauert es nicht, da ist Nick dem Spiel auch schon total verfallen – er geht nicht mehr in seinen Sportverein, vergisst seine Schulaufgaben und auch seine Freunde. Aber kann ein PC-Spiel wirklich so spannend sein? Nun, das kann es tatsächlich. "Erebos" scheint nämlich Gedanken lesen zu können. Das Spiel kann richtige Gespräche führen und antwortet total treffend auf Fragen. Zudem erteilt es den Spielern immer mal Aufträge, die im realen Leben erfüllt werden müssen und dummerweise weiß es dann auch noch, wenn man seinen Auftrag nicht ausgeführt hat und der betreffende Spieler wird gegebenenfalls damit bestraft, dass seine Spielfigur stirbt und er nie wieder spielen darf.

Wirklich alle Spieler sind wie besessen von "Erebos" und es verbreitet sich immer weiter. Schon bald sind die Aufträge im realen Leben nicht mehr harmlos, sondern werden gefährlich für Spieler aber auch Feinde des Spiels! Wird Nick etwas Dummes tun oder kommt er noch rechtzeitig vom Spiel los? Wie weit sind manche Spieler bereit zu gehen, nur damit ihr Spielfigur überlebt? Und was ist eigentlich das Geheimnis von "Erebos"? Um das zu erfahren, muss man das Buch natürlich selbst lesen und in die Welt von "Erebos" eintauchen.

Dieses Buch ist wirklich ein meisterhaftes Jugendbuch, das noch einen zusätzlichen Bonus bekommt, weil es eines der wenigen Bücher ist, das auch Jungs gezielt anspricht. Dennoch sollten sich Mädchen nicht abschrecken lassen, denn wer Spannung und Nervenkitzel liebt, der ist hier genau richtig. Der Autorin Ursula Poznanski gelingt es auf ganz erstaunliche Art und Weise Realität und Spiel zu kombinieren und die Grenzen zwischen beidem verschwimmen zu lassen. Man fragt sich als Leser ständig, wie weit die Spieler wohl gehen werden und wieso sie denn nicht einfach auhören. Trotzdem kann man sich selbst auch nicht so richtig dem Reiz von "Erebos" entziehen.

Doch es überzeugen hier nicht nur die actionreichen und abenteuerlichen Szenen, sondern auch die, in denen es um Freundschaft und Liebe geht. Zwar ist Nick total in sein Spiel vertieft und dennoch spürt man auch sein schlechtes Gewissen gegenüber seinem besten Kumpel Jamie, den er immer öfter hängen lässt. Auch Emily hält nichts von "Erebos" aber ausgerechnet für sie schwärmt Nick so sehr. Mit viel Gefühl und Verständnis für Jugendliche in dieser Situation beschreibt die Autorin hier ganz alltägliche Begebenheiten, die durch ihre Art der Schilderung überhaupt nicht alltäglich klingen. Sie regen zum Mitfiebern und -fühlen an!

Im Endeffekt lässt sich einfach nur sagen: Dieses Buch macht Spaß, schockiert und gibt auch einen kleinen Ausblick darauf, was neue Technologien in Zukunft eventuell alles ermöglichen werden. Nachdem man "Erebos" gelesen hat, ist man aber sicherlich froh, wenn es mit dieser Entwicklung noch eine ganze Weile dauert!

Ursula Poznanski: Erebos, Klappenbroschur, ISBN 978-3-7855-6957-3, 488 Seiten, 14,90 Euro,  Januar 2010, Loewe Verlag, Bindlach

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