Falscher Engel von Jay Dobyns

Jan 31st, 2010 | By Roland Schmidt | Category: aktuell, rezensionen

Zwei Jahre in ständiger Lebensgefahr. Jede Minute die Angst im Nacken, enttarnt zu werden. Zwei Jahre lang in Gesellschaft einer der gefährlichsten Motorradgangs der Welt. Diese Zeit hielt Undercover-Agent Jay Dobyns in Zusammenarbeit mit Nils Johnson-Shelton in Falscher Engel, erschienen im riva Verlag, fest.

Verkehrsregeln! Bitte was? Gesellschaftliche Konventionen! Eh, wie bitte?
"Lass dir von keinem Menschen, keinem Gesetz und keinem Gott etwas befehlen."

Das ist eines der Credos der Hells Angels. In deren Umfeld verbrachte Jay Dobyns zwei Jahre als Undercover-Agent der US-Behörde ATF (Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives). Ziel der Aktion "Black Biscuit", zu der es auch eine ausführliche DMAX Doku, zu sehen auf YouTube, gibt, war es, Mitglieder der Hells Angels nach dem RICCO Gesetz zu überführen. Dieses Bundesgesetz richtet sich gegen erpresserische Beeinflussung und korrupte Organisationen.

Entfremdung von seiner Familie zusammen mit dem immer stärker werdenden Wunsch ein Vollmitglied der Hells Angels zu werden, ließ Dobyns fast  an seiner Mission zerbrechen. Gegen Abschluss der Ermittlungen griff er zusätzlich zu jeder Menge Zigaretten und Energy Drinks und Kaffee und zu Aufputschmitteln. Falscher Engel beschreibt lebhaft ein Dasein in ständiger Lebensgefahr. Tags und Abends mit Hells Angels unterwegs, in der Nacht über den Schreibtisch gebeugt Berichte schreibend, während die Menschen, die man versucht hinter Schloss und Riegel zu bringen, nur eine Tür entfernt auf dem Sofa friedlich vor sich hin schlummern.

Es ist ein Leben in Widersprüchen. Als Falscher Engel unterliegt er den Vorschriften und strengen Regeln der Hells Angels Charters. Andererseits sprechen sich die Angels von der Gesellschaft frei und sehen sich als  die geborenen Outlaws. Trotzdem haben viele einen regulären Job und Familie. Dobyns schreibt sowohl von den Verbrechen, die durch Mitglieder der Hells Angels begangen worden sind, aber auch vom Mythos des Motorradfahrens und der Marke Harley Davidson, die die Angels maßgeblich mitbegründet haben.

Falscher Engel ist eine spannende Mischung aus der Arbeit eines Undercover-Agents und den Problemen eines Mannes, der verzweifelt versucht seinen Job und seine Familie unter einen Hut zu bringen.

Jay Dobyns, Nils Johnson-Shelton: Falscher Engel – Mein Höllentrip als Undercover-Agent bei den Hells Angels, übersetzt von Martin Rometsch, gebundene Ausgabe, 384 Seiten, 9. Auflage, riva Verlag, München 2010, 978-3-86883-026-2


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