Interview: Meike Rohde
Apr 3rd, 2009 | By Jutta Schönfelder | Category: aktuell, kunstFrau Rohde, Sie haben sich im Vorgespräch zu unserem Interview selbst in die Künstler-Kategorie der „Jungen Wilden“ eingeordnet. Was kann ich mir unter dieser Stilrichtung vorstellen?
Da haben wir uns offensichtlich ein wenig missverstanden – ich selbst zähle mich nicht zu den „Jungen Wilden“ oder auch „Neuen Heftigen“, bin jedoch sehr fasziniert von der Art und Weise, mit der diese außergewöhnlich auffälligen Bilder malten und vor allem herausragende Skulpturen erstellten. Streng genommen existiert dieser Kunststil auch nicht mehr. Natürlich gibt es noch Künstler, welche ihn geprägt und mitbegründet haben, wie z. B. Rainer Fetting.
Ich würde somit eher sagen, dass gewisse stilistische Merkmale der „Jungen Wilden“ manchmal auch auf meine Malerei zutreffen oder dass ich sie hier und da bewusst einsetze. Gerade was beispielsweise den heftigen Pinselstrich, die expressiv, abstrakte oder (wie ich es nenne) die „archaische“ Malweise und das von mir momentan bevorzugte Großformat betrifft. Eines meiner neuesten großformatigen Werke mit dem Titel „hurt“ ist ein treffendes Beispiel dafür.
Im Grunde zähle ich mich zu keiner speziellen Kunstrichtung und lasse mich auch weniger von bestimmten Künstlern der Vergangenheit oder Gegenwart beeinflussen. Generell male ich gerne in Öl und Acryl und zeichne mit Kugelschreiber. Ich benutze Rasierklingen, Stacheldraht, Draht, Sand. Ich tauche mit den Händen in Farbe. Ich male Menschen und Menschliches, Ratten, Blut und Quantenphysik. Ich erstelle Collagen, Objekte und alles, was mir sonst noch so einfällt und gefällt. Ich ziehe es vor, schnell zu malen – nicht unbedingt spontan, nur schnell muss es gehen!
hurt – Meike Rohde
An Hand der Serien auf Ihrer Internetseite ist ein Leichtes zu erkennen, dass Sie häufig konfliktive Themen wie Schizophrenie, Selbstmord oder die sieben Todsünden in Ihren Werken aufgreifen. Was steckt dahinter?
Diese Ideen für meine Werke „sammle“ ich natürlich als erstes in mir selbst und in meiner Umgebung – die Erfahrungen, die Mitmenschen, das Menschsein, der Alltag – all das beschäftigt mich und fließt dann wohl auch in meine Ideen thematisch mit hinein.
Mein Hauptanliegen dabei ist in erster Linie nicht das Aufzeigen des Bösen, die seelischen Schwächen und Unzulänglichkeiten, Krankheiten oder Hass, sondern eher die umfassende Beschäftigung mit sich und dem Menschsein. Einige Menschen müssen ihr Leben lang unter schlimmen Lebensumständen, wie Hass, Krieg, Hunger oder Schmerzen leiden. Und wieder andere Menschen fügen es ihnen zu. Ich glaube, dass es falsch ist, diese dunklen Seiten der menschlichen Existenz wegzuleugnen, zu verdrängen oder einseitig als böse abzustempeln. Sich auch mit seiner eigenen Bosheit auseinander zu setzen bedeutet, sich mit den (mindestens) zwei Seiten seiner eigenen, spannenden Existenz auseinander zusetzen. Ich weiß, man bemerkt es vielleicht bei den meisten meiner Bilder nicht auf den ersten Blick, aber das Leben ist mir schon ziemlich wichtig.
Werden Sie nicht häufig auf die Trends Gothik oder – ganz aktuell- Emo angesprochen? Ich könnte mir gut vorstellen, dass Anhänger dieser Subkulturen mit Begeisterung auf Ihre Werke reagieren.
Ehrlich gesagt werde ich überhaupt nicht auf diese Trends angesprochen. Es scheint für meine Werke allerdings auch keine ausgesprochene Zielgruppe zu geben. Menschen aller Altersstufen und unterschiedlichstem kulturellem Hintergrund finden meine Bilder entweder großartig oder grottenschlecht. Dazwischen scheint es nichts zu geben. Meine Bilder sprechen ganz einfach jeden an, dessen Nerv ich damit treffe.
‚hurt’ ist übrigens auch so ein Werk, welches von den unterschiedlichsten Leuten geliebt wird – es scheint durch die Mischung aus Schmerz, Kraft, Härte und Leben sehr stark zu sprechen.
Als Sie das letzte Mal einige Ihrer Bilder in einem Café in Bremen ausstellen durften, konnten Sie da nicht wunderbar die Reaktionen der Gäste beobachten?
Wie schon angedeutet, liebt oder hasst man meine Werke. Mir fällt jedoch auf, dass viele meiner Bilder beim Betrachter zumindest Irgendetwas auslösen. An meinen Bildern geht in der Regel keine Person einfach so vorbei, ohne Notiz davon zu nehmen. Das bedeutet mir viel und ist für mich eine wertvolle Beobachtung, dass ich Menschen mit meiner Kunst „erreichen“ kann. Auch wenn da durchaus schon geschimpft und der Ausstellungsraum lautstark verlassen wurde, aber das waren in der Tat Ausnahmen.
Ist es überhaupt Ihr Wunsch, bei den Betrachtern Ihrer Werke ein bestimmtes Gefühl wecken zu können oder ist die Gefühlsrichtung schlichtweg eine andere- nämlich in erster Linie die von Ihnen zum Bild und nicht primär vom Bild zum Betrachter?
Bei der anfänglichen Überlegung zu einem neuen Bild ist es mir herzlich egal, was eine andere Person dabei empfinden könnte. Ich habe schlichtweg eine Idee und die muss ich raus lassen können.
Es kann aber durchaus passieren, das wir – indem Fall der Betrachter und ich – bei einem Bild mit unseren Vorstellungen genau in der Mitte zusammentreffen, aber es dennoch genügend Freiraum für die jeweils ganz eigene Interpretation bleibt. Mir ist wichtig, dass sich der Betrachter seine eigenen Gedanken machen kann und dass ich ihm auch von vorne herein soviel Freiraum gestatte, ohne ihm etwas vorgeben oder erklären zu müssen. Es kann ja sein, dass ich selbst meine eigenen Inspirationen aus einer ganz anderen Quelle schöpfe, als es vielleicht der jeweilige Betrachter tut, aber dennoch kommen wir zu derselben Schlussfolgerung. Kommunikation über ein Bild.
Planen Sie Ausstellungen in 2009? Und welches sind ganz konkret Ihre nächsten Projekte?
Zurzeit arbeite ich künstlerisch und kunstpädagogisch im „Kulturladen Huchting“ an dem Projekt „insan…mensch. Herkunft – Ankunft – Zukunft“. Daneben habe ich – für mich eine gänzlich neue Dimension – die Fassaden- und Innenraumgestaltung eines Bewohnertreffs in Bremen übernommen. Auch mehrere, sehr unterschiedliche private Aufträge liegen im wahrsten Sinne des Wortes noch vor mir. Eine weitere Ausstellung im kommenden Herbst oder Winter wäre mein Highlight für 2009, ist aber derzeit noch nicht konkret geplant.
Und noch eine letzte Frage: Wofür genau steht eigentlich das Kürzel TWOMA Ihrer Webseite?
The World Of Mei Art. Ich spiele lieber mit meinem Namen, als dass ich mich mit meinem bürgerlichen Namen Meike Rohde vorstelle.
Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Interview und wünsche Ihnen für Ihre Projekte viel Kraft und viel Inspiration. Allen interessierten Lesern lese ich den Besuch der TWOMA-Webseite ans Herz – eine Fülle beachtlicher Werke ist dort zu bestaunen: www.twoma.de.
Die Fragen stellte Jutta Schönfelder.



Zunächst mal ist das Bild mei-Krone wirklich großartig.
Das Interview gibt einen tollen Einblick in die Gedankenwelt einer jungen Künstlerin. Auch wenn ich mich als Kunstbanause outen muss, da ich keine Ahnung habe, welchen Stil “Junge Wilde” oder “Neue Heftige” vertreten.
Die Antworten der Künstlerin sind sehr plastisch. Nach dem Lesen hatte ich große Lust Frau Rohde beim Schaffen eines Bildes zuzuschauen. Dauert ja auch nach ihren eigenen Angaben wohl nicht so lange.
R. Franken
WOW – das sind Bilder, das sind Stimmungen!!! Ich habe so etwas nie zuvor gesehen! Klasse Interview, klasse Künstlerin, klasse Bilder!!!
Mach weiter so und lass dich durch niemanden verändern. Du bist eine tolle Künstlerin und wirst auch immer eine sein. Also viel glück und bleib so wie du bist!!
Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass Frau Rohdes Bilder polarisieren. Ich finde es pur symphatisch, dass sie sich um diese Wirkung bewusst ist und nicht versucht den Kunstkritikern ‘zu gefallen’. Spannendes Interview, vielen Dank dafür!
Wie abgefahren mit rasierklingen und draht zu malen, geile idee, könnte ich glatt abgucken, ich male oft in acryl, traue mich aber nicht solche sachen zu probieren, wäre gerne als malerin was mutiger, respekt! Hoffe du kannst nochmal ausstellen, bin irgendwie nie in bremen, aber vielleicht woanders?
Tolle Bilder, mit einfachen Mittel so eine Aussagekraft.
Ich bin über ein Forum auf dieses Interview aufmerksam gemacht worden und kann mich den Vor-Kommentaren größtenteils nur anschließen: Kreativität und Mut hat die junge Frau! Es ist auch mal etwas anderes, den Interviewpartner nicht einfach wie eigentlich gängig mit einem normalen Portraitfoto zu zeigen, sondern sie sich selbst malen zu lassen!
Meike, du kommst noch mal ganz groß raus…!
Lass es raus – keine Grenzen!
Tom
[...] http://www.saubereingeschenkt.de/interview-meike-rohde/ [...]
Ich war von Anfang an von ihrer Kunst begeistert.
Die vielfältige Art, egal welche Stilrichtung, die Bilder LEBEN einfach.
Es macht Spaß, sich die verschiedenen Bilder anzuschauen.
Und in dem Interview spiegelt sich die Kunst auch wieder.
Um all meine Eindrücke zu schreiben, bräuchte ich noch Mengen an Seiten.
Mach weiter so, viel Glück und bleib Dir treu.
Nicl