Please keep gate closed von Astrid Behrendt

Irland – was verbindet man nicht alles mit diesem sagenumwobenen Land? Eine grüne Insel soll das sein. Dort gibt es kleine Bands, die in urigen Kneipen Musik machen, wo das eigenartig dunkle Guinness-Beer getrunken wird.
In “Please keep gate closed” lernt man dann aber ein ganz anderes Irland kennen. Es ist zunächst einmal nicht grün, sondern schwarz-weiß. Zahlreiche großformatige Fotos illustrieren den Bildband mit dem ungewöhnlichen Format: DinA4 quer.

Erzählt wird von mehreren Irlandreisen der Autorin und beim Lesen reist man mehr oder weniger vom Norden Irlands nach Süden. Es gibt aber keine feste Route, keine Shopping-, Einkehr- oder Übernachtungstipps. Dies ist schließlich kein Reiseführer. Kostbarer Hinweis gleich am Anfang: Kartenlesen ist in “Irrland” zwecklos, da die Schilder sowieso häufig abmontiert werden. Aber trotzdem kann man sich nicht verirren, im Gegenteil, beim “Verfahren” finden sich die schönsten Orte.

Diese sind jedoch keineswegs die Standardreiseziele wie zum Beispiel Bunratty Folk Park, das beliebte Freilichtmuseum in der Grafschaft Clare, oder der Giants Causeway, der mit seinen unzähligen Basaltsäulen zum Weltnaturerbe der Unesco gehört. Stattdessen sieht man in diesem Irlandbuch stille Orte. Die Fotos zeigen verwilderte Gärten, Ruinen, Statuen, Friedhöfe und verlassene Häuser, die einen ganz besonderen Zauber ausstrahlen. Geschichte und Geschichten stecken in ihnen allen.

Nebenbei gibt es in humorvollem Ton erzählte Exkurse zur irischen Geschichte ebenso wie witzige Anekdoten über die verschiedensten Bed and Breakfasts und immer wieder etwas über den Zauber, der in den verlassenen Orten steckt. Kobolde, Feen und Elfen, die in vielen irischen Geschichten ihren Schabernack treiben, sind dort möglicherweise wirklich unterwegs. Ob sie es eigentlich sind, die die Reisenden immer wieder vom Weg abkommen lassen?
Eine “Schatzkarte” am Ende des Buch gibt allen, die dann doch gern Kartenlesen wollen, einen Überblick über die besuchten Orte, mit Seitenzahl zum Nachschlagen. Die weiterführenden Informationen dahinter enthalten vielseitige Lesetipps. Standardreiseführer, Romane, irische Segenswünsche stehen da Seite an Seite, jeder der nun weiterlesen möchte, findet hier genügend “Futter”. Websites zu den besuchten Orten sowie einer kleinen Auswahl Bed and Breakfasts runden die Informationen ab.

Das Cover hat mir schon sehr gefallen. Es zeigt drei sehr zufrieden aussehende Schafe, die es sich auf einem Friedhof zwischen verwitterten Grabsteinen gemütlich gemacht haben. Wie man im Buch nachlesen kann, hängt am Eingang zum Friedhof der Hinweis: “Please keep gate closed – because of sheep”.
Mir gefällt an diesem Irland-Buch, dass es sofort Lust auf mehr macht. Schon lange möchte ich nach Irland reisen und die berühmte Landschaft, die historischen Stätten, aber auch die Menschen selber erleben. Die Geschichten, die Atmosphäre und auch die liebevoll erzählten Anekdoten aus “Please keep gate closed” haben mich überzeugt, diese lang ersehnte Reise bald anzutreten.

Was mich anfangs etwas irritiert hat, waren die schwarzweißen Fotos. “Gar keine Farbe? Wie trist!”, war mein erster Eindruck. Aber nach aufmerksamem Betrachten und mit ein bisschen Vorstellungskraft füllten die erst “farblosen” Bilder in meiner Phantasie mit üppigem Grün. Und die Grabmale, die keltischen Grabkreuze und die flechtenbewachsenen Statuen wirken in schwarzweiß ohnehin ganz besonders beeindruckend. Dieses Buch ist empfehlenswert für alle, die gern individuell reisen, für die der Weg das Ziel ist und die Appetit auf Irland bekommen möchten.

Drachenmond Verlag
ISBN 978-3-931989-37-8
128 Seiten
gebundene Ausgabe
116 s/w Fotografien der Autorin
11 Illustrationen von Jan Radermacher sowie zahlreiche Abbildungen
Euro 24,95

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Veröffentlicht in : Bildbände, rezensionen
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