
Pop Art von Tilman Osterwald
Obgleich die Pop Art ihre Geburt in den 50er und 60er Jahren feierte, ist sie heute noch sehr präsent. Insbesondere in einer Zeit, in der man dazu neigt alles zum "Pop" zu erklären, in der zum Beispiel vor einigen Jahren Popliteratur als Rettung der Literatur an sich deklamiert wurde. Doch dass die Pop Art
noch so gegenwärtig ist, liegt sicherlich daran, dass die Gründe, aus denen die Künstler der ersten Stunde diese Kunstrichtung schufen, noch vorhanden sind. Die Anonymität der Massengesellschaft, den Gesichtsverlust des Einzelnen, das Untertauchen in der schieren Menge.
Pop Art von Tilman Osterwald bietet einen umfassenden Einblick in die Welt von Warhol, Lichtenstein & Co. Beginnend mit den Ursprüngen dieses Phänomens über die Stile und die Situation der Pop Art
in England und Amerika sowie europäischen Aspekte widmet sich das Buch in seiner zweiten Hälfte verschiedenen herausragenden Vertretern der Pop Art
, die da wären: Jasper Johns, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Peter Blake, Richard Hamilton und David Hockney.
Mit großer Ausführlichkeit widmet sich Osterwald den einzelnen Aspekten der Pop Art. Die sich anbahnende anonyme Gesellschaft, verstärkt durch die Massenproduktion großer Firmen, war der Nährboden für viele Künstler. Legendär ist Warhols "Campbell's Soup Can I" von 1968. Wie auch die moderne Produktion, ob ökonomischen Gesichtspunkten, auf Zeitersparnis setzt, war Warhol daran gelegen, einen möglichst kurzen Weg von der Wirklichkeit zum Bild zu wählen. Das Vulgäre soll Kunst werden, und die Kunst vulgär werden.
Roy Lichtenstein verwendete die wohlbekannten Comic-Strips, er wollte das Nichtssagende vielsagend machen. Diese Bilder wirken sauber, fast steril. Die Texte der Sprechblasen lassen Raum für Assoziationen und stören die, auf den ersten Blick, so perfekt dargestellte Welt. Pop Art zeigt aber auch Bilder, die Lichtensteins Nähe zu Künstlern wie Picasso deutlich machen, zum Beispiel das Werk Femme d'Alger von 1963.
So stiegen nicht nur Suppendosen, sondern auch andere Gegenstände zur Ikonen der Pop Art auf. Zigaretten, Coca-Cola und Pepsi, Zahnpasta und andere Dinge. Doch auch der Dollar wurde Teil des Themenfeldes. Die Amerikaner stilisierten ihre Währung, als Konsumgesellschaft par exellence war der Dollar dafür auch prädestiniert. In einer Zeit, in der sich die USA mit dem Ausbruch des Vietnam-Krieges, Unruhen in der Bevölkerung und Drogenproblemen konfrontiert sah, war der Konsum eine gern angenommene Fluchtmöglichkeit, ein vermeintliches Bewahren der heilen Welt, in der man sich wähnte.
Just kürzlich startete das Kunstmagazin art in seiner April Ausgabe eine dreiteilige Reihe zum Thema Pop und titelte: "Die beste Idee des 20. Jahrhunderts". Pop Art wird seinem Titel mehr als gerecht, legt die Ursprünge, Einflüsse und Auswirkungen der Pop Art
dar und porträtiert wichtige Vertreter. Betrachtet man gleichzeitig den Preis von nur 9,99 €, da Teil der TASCHEN's 25th anniversary – Special edition, fällt es nicht schwer eine Kaufempfehlung auszusprechen. Ein Kunstband der, mich zumindest, überzeugt hat.
Tilman Osterwald: Pop Art, durchgehend vierfarbig bebildert, 240 Seiten, 24 x 30 cm, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-8228-3753-5, 9.99 €, TASCHEN, Köln, September 2009.
Passend zum Buch ist noch bis zum 9. Mai die Ausstellung "Pop Life – Warhol, Haring, Koons, Hirst, …" in der Kunsthalle Hamburg zu sehen.
Das könnte dir auch gefallen!
Schlagwörter: 2009, Andy Warhol, Anonymität, Art, Ausgabe, Ausstellung, Autor, Besprechung, Blake, Buch, Buchbesprechung, Claes Oldenburg, Coca Cola, Cola, Europa, Gebunden, Gesellschaft, Großbritannien, günstig, Hamburg, Hamburger Kunsthalle, Hamilton, Haring, Hirst, Hockney, Jasper Johns, Johns, Kaugummi, Köln, Koons, Kritik, Kultur, kunst, Kunstband, Kunsthalle, Lichtenstein, Literatur, Oldenburg, Osterwald, Pepsi, Peter Blake, Pop, Pop Art, Pop Life, preiswert, Rezension, Richard Hamilton und David Hockney., Roy Lichtenstein, September, Stars, Stars and Stripes, Strips, TASCHEN, Tilman Osterwald, UK, USA, Verlag, Vorstellung, Warhol, Zigaretten





