Rezension: Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin von Kathrin Passig und Sascha Lobo
Dieses Buch wird etwas bewegen. Da bin ich mir sicher. Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin von Kathrin Passig und Sascha Lobo ist ein Buch, das längst überfällig war, und wie eine Bombe in das Feld der Zeitmanagement-Ratgeber einschlagen wird.
Es widmet sich der Prokrastination. Wörtlich übersetzt bedeutet dies „für morgen lassen“, sinngemäß ist es eine nettere Umschreibung für das, das alle Menschen mehr oder weniger tun: das Aufschieben von unangenehmen Tätigkeiten. Menschen, die gerne und viel Aufschieben taufen die Autoren „LOBO“, für Lifestyle Of Bad Organisation. Gesellschaftlich ist es nicht gern gesehen, wenn wir Sachen aufschieben und nicht sofort erledigen. Mangelnde Effektivität und Faulheit sind nur zwei Vorwürfe aus einem ganzen Topf.
Doch das es die Selbstdisziplin nicht unbedingt braucht um sein Leben zu meistern, demonstrieren die Autoren beispielhaft in ihrem Buch. Vom Arbeitsethos über Haushaltsprobleme bis zur Kommunikation ist so gut wie das gesamte Spektrum des menschlichen Zusammenlebens abgedeckt. Stets schlüssig und sinnvoll argumentieren Passig und Lobo, wenn es darum geht, wieso Disziplin nicht immer angebracht ist, und warum sich manche Probleme, wie ein Bußgeldbescheid wegen überhöhter Geschwindigkeit, ohne zu tun in Luft auflösen.
Doch das es auch anders laufen kann wird nicht aussen vor gelassen. Sascha Lobo schreibt, wie das „Aussitzen“ einer Mahnung vom Fitnessstudio ihn doch etwas teurer zu stehen kommt. Der Gesellschaft kommt dies, nach Meinung von Lobo, trotzdem zu gute. „Wikipedia sei wahrscheinlich von Leuten vollgeschrieben, die eigentlich etwas anderes zu tun gehabt hätten.“, sagte er in „Kulturzeit“ auf 3sat vom 22. Oktober.
Verschiedenen Alltagssituationen werden beleuchtet. Das Gefühl, dass endlich jemand den „Gehirn an“ Schalter gefunden hat, macht sich während der Lektüre breit. Nur eines unter vielen Beispielen findet sich im Kapitel, welches sich mit der Frage beschäftigt, wann der richtige Moment für das Arbeiten gekommen ist. Leonardo da Vinci hat für seine Mona Lias eine Zeitspanne von 16 Jahren benötigt.
Ein Plädoyer, dass unser „westlicher“ Arbeitsrythmus von fünf Tagen die Woche, acht Stunden am Tag nicht deswegen sinnvoll sein muss, weil wir ihn seit langem praktizieren. Allein diese Feststellung, und das sie auch von anderen Menschen vertreten wird, zu lesen, ist eine Wohltat. Auf einem sicheren Fundament basierend überzeugen die Autoren anhand einiger Praxisbeispiele und wissenschaftlicher Studien, dass beispielsweise die Vier-Tage-Woche genauso effektiv sein kann, mit dem Plus, ein verlängertes Wochenende zu besitzen.
Doch das die Prokrastination eine Gratwanderung ist, daraus machen die Autoren keinen Hehl. Wie oben erwähntes Fitnessstudio Beispiel zeigt, gibt es einige Dinge, die tunlichst nicht aufgeschoben werden sollten. Diesen Umstand betonen die Autoren besonders. Dazu gehören wichtige Rechnungen, Handy und die Kreditkarte als nur zwei Beispiele; Briefe auf denen GEZ zu lesen ist, können dagegen, so die Autoren, ruhigen Gewissens in die Rundablage geworfen werden.
Leider bewahrheitet sich an manchen Stellen des Buchs der abgenutzte Spruch „Wo Licht ist, ist auch Schatten“. Es wird die Einnahme von Ritalin empfohlen beziehungsweise angedacht, wenn eine kräftezehrende Arbeit, beispielsweise ein Referat für die Uni, vorzubereiten ist. Natürlich weisen Passig und Lobo darauf hin, dass Ritalin verschreibungspflichtig ist, und listen Risiken und Nebenwirkungen auf. Ein schaler Beigeschmack bleibt.
Geschickte Anwendung der in Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin erteilten Tipps werden zu einem entspanntem und glücklichem Umgang mit Terminstress und ähnlichem gehen, vorausgesetzt, das Maß wird im Auge behalten, und eminent wichtige Dinge nicht der Prokastination zum Opfer fallen.
Infos:
Titel: Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin
Autoren: Kathrin Passig, Sascha Lobo
Verlag: Rowohlt (Oktober 2008 / rowohlt)
Umfang: Hardcover, 288 Seiten
ISBN: 978-3-87134-619-4
Preis: 19,90 Euro
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Kann das Buch auch nur weiterempfehlen und stimme auch der wohltuenden Wirkung des Lesens zu … Und für alle, die noch ein bisschen Zeit übrig haben (haha) hier noch ein witziges Youtube Filmchen zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=UXziurFkQxM
(gefunden bei http://playpopmobil.blogspot.com)