Rezension: “Let’s Make Money” von Caspar Dohmen

In dem Buch zum gleichnamigen Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer, der zurzeit im Kino läuft und aufgrund der aktuellen Finanzkrise mit besonders viel Aufmerksamkeit bedacht wurde, liefert Caspar Dohmen (Wirtschaftskorrespondent der Süddeutschen Zeitung) Hintergründe, Geschichten und Fakten zum Film. Zudem geht er bei einzelnen Abschnitten noch mehr ins Detail und schreibt von den zuletzt häufig in den Medien genanntenHedgefonds, Steueroasen oder der fragwürdigen Kreditvergabe der Weltbank an Entwicklungsländer. Abgerunded wird das Buch mit 32 Fotos aus dem gleichnamigen Film. 

Überaus informativ wird hier fast jeder Faktor der globalisierten Finanzmärkte beleuchtet und kein Hehl daraus auf welche zum Teil schmutzigen Methoden die Banken und erschreckenderweise auch Regierungen oder der Internationale Währungsfonds anwenden. Hier muss selbst der überzeugteste Verfechter der freien Marktwirtschaft den Kopf schütteln. Die westlichen Wirtschaftsnationen subventionieren zwar Industriezweige in wirtschaftlich schwächeren Ländern in Afrika oder Südamerika (die als "Emerging Markets" bezeichnet werden), doch das Geld gelangt nicht in die Taschen der Baumwollpflücker in Burkina Faso oder Schweißer in Indien, sondern fließt mit Profit zurück in die Investment-Länder. Meist lagert es in Steueroasen wie den brit. Kanalinseln oder anderen Offshorezentren wie den Cayman Islands und diversen weiterenKaribikinseln – es sind etwa 11,5 Trillionen Dollar Privatvermögen. Man kommt letztendlich nur zu folgendem Schluss: Wachstum hat nichts mit der Gesellschaft zu tun, der Großteil der Menschen, die die Arbeit leisten, bleibt arm.

An vielen weiteren Beispielen wird gezeigt, wo unser Geld landet und welche gesellschaftlichen Probleme durch diese Investitionen entstehen können. Von der "Immobilienblase" in Spanien, wo drei Millionen leer stehende Appartements als Investitionsobjekte Küstenstreifen verwüsten bis zur Privatisierung öffentlicher Güter wie Straßenbahnen in Großstädten. Und die Strippen im großen Geldgeschäft werden oft mit "Mafia-Methoden" gezogen, wie der ehemalige sogenannte "Hit Man" John Perkins erzählt. Der arbeitete von 1970-1982 für eine Consulting Firma die im Auftrag der NSA (National Security Agency) Entwicklungsländer in Süd- und Mittelamerika sowie Asien in die Zahlungsunfähigkeit treiben sollte und dadurch den Einfluss der USA in der jeweiligen Region zu stärken.

Das Szenario war immer dasselbe. Staaten wurden zunächst mit viel zu hohen Krediten versorgt und anschließend aufgrund fehlender Rückzahlngen gezwungen mit ihren Ressourcen (Rohstoffen) einen Ausgleich zu schaffen. Wenn es zu viel Widerstand gab, wurden gezielt Regierungen gestürzt oder Führer ermordet wie ein ehem. Präsident von Panama. Offiziell kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, laut Perkins von der CIA verursacht.

Es wird spürbar, wie wackelig das globale Finanzsystem ist, wie viele ihm zum Opfer fallen und wie brisant sich die weltweite Ungleichverteilung zuspitzt. Wer sich angesichts der Finanzkrise dieser Tage Sorgen um den Bestand seines Ersparten macht, wird erinnert, dass das eigene Geld – oft ohne dass wir Einfluss darauf haben – auch erheblichen Schaden anrichten kann.

Dieses ohnehin empfehlenswerte und exzellent recherchierte Buch bekommt durch die aktuelle Situation eine ganz besondere Note verliehen, wodurch es für den interessierten und kritischen Bürger von Welt automatisch zur Pflichtlektüre wird. Ebenfalls wird ein Besuch des Films empfohlen!

 Bewertung:

 Infos:

Titel: Let’s Make Money – Was macht die Bank mit unserem Geld?
Autor: Caspar Dohmen
Verlag: Orange Press (Oktober 2008 / Orange Press)
Umfang: Klappenbroschur, 256 Seiten
ISBN: 978-3-936086-41-6
Preis: 20 Euro

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