
Schattenblüte – Die Verborgenen von Nora Melling
Luisa lebt wie unter einem großen schwarzen Schatten: Ihr kleiner Bruder Fabian ist vor wenigen Monaten an Krebs gestorben. Sie trauert um ihn und möchte um jeden Preis an allem Alten festhalten. Ihre Eltern dagegen gehen mit ihrem Kummer ganz anders um: Sie ziehen fort aus Hamburg nach Berlin, werfen alles, was mit ihrem toten Sohn zu tun hatte fort und versuchen neu zu beginnen. Logisch, dass es zwischen Luisa und ihren Eltern jede Menge Konfliktstoff gäbe. Aber sie gehen sich tunlichst aus dem Weg und bleiben jeder für sich.
Als Luisa an ihrem siebzehnten Geburtstag Selbstmord begehen will, hält ein fremder Junge sie davon ab: Thursen lebt mit einer Gruppe Jugendlicher im Wald. Sie sind immer von vielen großen, struppigen Hunden umgeben… Nach und nach findet Luisa heraus, dass dies keine Hunde sind, sondern Werwölfe. Thursen und die Jugendlichen haben so schlimme Probleme, dass sie sich lieber in Wölfe verwandeln, als sich ihren Ängsten zu stellen. Luisa verliebt sich in Thursen und würde am liebsten auch ein Werwolf… Allerdings wird man mit jeder Verwandlung mehr zum Wolf, farblos und grau und vergisst sein altes Leben. Auch ist die Lebensspanne eines Werwolfs viel kürzer als die eines Menschen. Wäre es vielleicht möglich, dass Thursen wieder ganz Mensch wird?
Dieses Buch hat mich völlig gefesselt und ich war ein paar Tage lang ganz in Luisas und Thursens Welt gefangen. Die Sprache ist knapp und schnörkellos und umso ergreifender, wenn Luisas Gefühle für ihren Bruder oder Thursen beschrieben werden. Es ist nicht einfach eine Fantasy-Romanze, sondern sehr viel mehr. Es geht um Trauer, um Erwachsenwerden, um Konflikte, die Jugendliche ertragen müssen, aber es hat eben auch eine ganz gewisse Art von Zauber.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist, wie glaubhaft Luisas Welt und auch die Thursens beschrieben werden. In dieser Hinsicht erinnerte "Schattenblüte – Die Verborgenen" mich an die Romane von Isabel Abedi, die auch mit wenigen Sätzen das Umfeld einer Person lebendig werden lässt. Interessant ist, wie Thursens und auch Luisas Umgebung zunächst monochrom schwarz oder bestenfalls grau ist. Im krassen Gegensatz dazu ist die Wohnung von Luisas Nachbarin mit ihren beiden kleinen Töchtern farbig, warm und fröhlich. Luisa ist hin und hergerissen zwischen der weltabgewandten Haltung der Werwölfe, die dem menschlichen Leben entfliehen, und einem regulären Menschendasein.
Dieser erste Roman Nora Mellings ist der Auftakt zu einer neuen Serie. Aber trotzdem ist das Ende dieses Romans kein billiger Cliffhanger, so wie es bei Mehrteilern so häufig vorkommt. Es steht für sich und lässt Raum für eigene Schlüsse, aber lässt einen nicht mit einem unzufriedenen Gefühl von "Ja? Und jetzt? Wie geht das nun weiter?" zurück. Ich empfehle es wärmstens allen Fans von Liebesromanen mit einem guten Schuss Magie!
Rowohlt Polaris Verlag
Softcover
352 Seiten
Erscheinungstermin: 01.11.2010
14,95 €
978-3-86252-000-8
Das könnte dir auch gefallen!
Schlagwörter: Band 2, Band 3, Berlin, Besprechung, Buchbesprechung, erscheinungstermin, Fantasy, fortsetzung, Grunewald, jugendfantasy, Kritik, Liebesroman, neuer Verlag, Rezension, Romantik, Rowohlt Polaris, Werwölfe, Wölfe





