The Helsinki School

Feb 7th, 2010 | By Roland Schmidt | Category: aktuell, rezensionen

The Helsinki School. Vol. 3, Young Photography by Taik stellt siebzehn junge Fotografen und Videokünstler vor, allesamt Studenten der Hochschule für Kunst und Design Helsinki. Inzwischen ist die Hochschule Teil der Aalto-Universität, die in Helsinki am 1. Januar 2010 aus der Fusion von drei vorher unabhängigen Hochschulen hervorging.

Auf drei Grundpfeilern ruht die Arbeit der University of Art and Design Helsinki: Die Zufriedenheit der Studierenden, die Freude an der Zusammenarbeit und dem Ausleben von Kreativität. Mit Studenten aus über 50 Ländern ist die "Helsinki School" wahrlich ein internationaler Ort der Kunst.

Schon zum dritten Mal werden die Fotografien ausgewählter Studenten in einem wirklich sehenswerten Bildband präsentiert. Hinsichtlich der Mannigfaltigkeit der verschiedenen Fotografien erscheint der Ort des Studiums die einzige thematische Klammer zu sein, und doch zieht sich eine skandinavische Schlichtheit durch fast alle Fotos, die mehr als wohltuend wirkt. Opulenz sucht man vergebens.

Der besondere Reiz von The Helsinki School. Vol. 3, Young Photography by Taik liegt in der großen Verschiedenheit der Künstler, ihre jeweilige Technik beherrschen sie perfekt. Beispielsweise die Werke von Noomi Ljungdell, die ihre Bilder, von nahem betrachtet, chiffriert. Details werden durch Wörter in finnischer und englischer Sprache ersetzt und öffnen der Assoziation so Tür und Tür. Erst der nötige Abstand macht das Bild in seiner Gänze greifbar.

Saana Wang hingegen versucht, dass sowieso Offensichtliche noch deutlicher vor Augen zu führen. Ihre Kunst steht in einer Reihe mit anderen Fotografen, die sich kritisch mit der Veränderung unserer Städte auseinandersetzen. Hujialou heißt eine Serie von Saana Wang, in der sie langsam verfallende Pekinger Wohnblocks und moderne Bauten fotografisch in Szene setzt. Damals als Verwirklichung der Idee der Konformität gefeiert, werden sie heute nach und nach abgerissen. Saana Wang legt den Bewohnern die traditionelle Maske der Pekinger Oper auf und will sie so  in fiktive Charaktere verwandeln. Doch vor allem zeugen die leeren, kahlen Wände vom Leben, das einst in ihnen herrschte. Überreste von Plakaten und Bildern an der Wand sind die letzten stummen Zeugen. So ist ihre Serie "Hujialou" eine wunderbare Arbeit gegen das Vergessen.

Noomi Ljungdell und Saana Wang sind nur zwei der siebzehn hervorragenden Künstlern, deren Werke in The Helsinki School. Vol. 3, Young Photography by Taik abgebildet sind. Ein hervorragender Kunstband, der sich Dank seiner großen Bandbreite nicht auf ein Genre beschränken muss.

The Helsinki School. Vol. 3, Young Photography by Taik, Text von Timothy Persons, Katrin Hiller von Gaertringen, Janne Gallen-Kallela-Sirén, Englisch, 2009. 192 Seiten, 192 farbige Abb., 29,50 x 24,60 cm, gebunden, ISBN 978-3-7757-2404-3, 39.80 €, Hatje Cantz

 


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