Zum Wiedersehen der Sterne von Dinaw Mengestu

sterne_140Wer ein Buch mit einer Aneinanderreihung von Ereignissen erwartet, wird möglicherweise von einem sehr überschaubaren Aktionsradius enttäuscht werden. In „Zum Wiedersehen der Sterne“ wird vordergründig der wenig abwechslungsreiche Alltag des Ladenbesitzers Mr. Stephanos beschrieben, während hintergründig jedoch gleichzeitig eine ganze Palette an gesellschaftlich sensiblen Themen angesprochen wird. Diese reichen von politischer Verfolgung über Heimatlosigkeit bis hin zu Ausländerfeindlichkeit und geben der eher überschaubaren Geschichte deutliche Tiefe.

Sepha Stephanos ist äthiopischer Flüchtling mit Wohnsitz in einem herunter gekommenen Wohnviertel von Washington D.C.. Über rund sieben Jahre schafft er es nicht, sich einzugestehen, dass er in seinem Leben nie wieder in sein vertrautes Addis Abeba zurück kehren wird. Als politischer Flüchtling plant er seine Rückkehr in der Hoffnung auf die Festigung eines neuen politischen Systems in Äthiopien, weshalb es ihm nicht gelingen will, sich auf die amerikanische Kultur einzulassen. Recht bald schon fühlt er sich zerrissen zwischen seiner alten und seiner neuen Kultur – begleitet von einem Gefühl der Leere, über die er nur mit anderen afrikanischen Migranten zu sprechen wagt. Als Freiheit bezeichnen es die anderen, als Heimatlosigkeit empfindet er es selbst.

Während Stephanos sich zeitweise in eine Art gleichgültige Resignation fallen lässt, stehen ihm Kenneth aus Kenia und Joseph aus der Zentralafrikanischen Republik Kongo bei. Sie besuchen ihn regelmäßig in seinem vom Bankrott bedrohten Laden und diskutieren immer und immer wieder die Chancen und Grenzen im ‘Land der unbegrenzten Möglichkeiten’. Allein eine junge Mutter und ihre 11jährige Tochter, die neu in die Nachbarschaft von Stephanos Laden ziehen, lassen ihn seine Einsamkeit eine Weile vergessen. Sie sind es, die ihn dazu ermutigen, wieder ein Ziel im Leben zu haben, auf Menschen zu zugehen und seinen Laden nicht zu vernachlässigen.

Auffällig sind die Parallelen zwischen dem äthiopisch-amerikanischen Autor Dinaw Mengestu und seinem skizzierten Protagonisten – so sind beide in Äthiopien geboren und in die USA ausgewandert. Tatsächlich scheinen sich autobiographische Züge durch das gesamte Buch zu ziehen, wodurch gerade die Umschreibungen von Fremde und Heimatlosigkeit überaus authentisch erscheinen.

Auch wenn die Ereignisse des Romans kaum einen Häuserblock und wenige Monate umfassen, so enthalten sie doch alle großen Themen zu Zeiten globaler Flüchtlingsströme. „Zum Wiedersehen der Sterne“ zählt gerade wegen dieser alltäglichen Sehnsucht und Enttäuschung von Millionen von Migranten zu den fünf Finalisten, die es auf die Shortlist zum Internationalen Literaturpreises 2009 geschafft haben.

Dinaw Mengestu: Zum Wiedersehen der Sterne, aus dem Englischen von Volker Oldenburg, gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 251 Seiten, ISBN 978-3-546-00439-8, April 2009, Claassen Verlag

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