Zweimal Juni von Martín Kohan

Zweimal Juni. Zweimal steht die argentinische Fussballnationalmannschaft in einer WM-Endrunde. Beide Male erlebt ein junger Rekrut das Turnier nur am Rande. Er leistet seinen Wehrdienst ab. Achtzehn Monate voller Gehorsam, und stetiger Bereitschaft. Dabei hat er es noch gut getroffen. Als Chauffeur des Militärarztes Dr. Mesiano ist er die meiste Zeit damit beschäftigt, einen Ford durch den hektischen Asphaltdschungel zu kutschieren. Eine gewisse Unbekümmertheit haftet ihm an, doch noch weiß der junge Rekrurt nicht, dass er Zeuge grauenvoller Machenschaften des Militärregimes werden wird. Seine Navität schwindend auf einen Schlag. Eine Nachricht soll seinem Vorgesetzten überbracht werden. Sie lautet: Ab wieviel Jahren kann man ein Kind foltern?

Die schrecklichen Taten des argentinsichen Militärregimes werden in Zweimal Juni nur selten direkt angesprochen. Dennoch hängen sie wie ein schwarzer, drückender Trauerschleier über der Geschichte. In einer einfachen Sprache mit kurzen, abgehackten Kapiteln verzichtet Martín Kohan in Zweimal Juni auf lautes Getöse, um das Grauen, zu dem Menschen fähig sind, zum Ausdruck zu bringen. Still und leise bringt der Autor es hingegen auf den Punkt, und versteht es so, den Leser mit einem sensiblen Thema direkt zu berührern. Ja, zu schockieren, aufzuwühlen und fassungslos zurück zu lassen. Der immer wieder kehrende Alltag des Protagonisten, lässt ihn stumpf werden gegenüber dem, was er tagtäglich erlebt. Nicht einmal ein verzweifelter Hilferuf einer eingesperrten und gefoltetern Mutter, getrennt von ihrem Kind, kann diese Betonwand durchbrechen.

Zweimal Juni ist ein fantastisches Buch über einen traurigen Abschnitt in der Geschichte Argentiniens, das sensibel und doch sehr eindrucksvoll die Schrecken der damaligen Zeit vor dem Leser offenlegt.

Martín Kohan: Zweimal Juni, aus dem Spanischen von Peter Kultzen, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 181 Seiten, 19.80 €, ISBN 978-3-518-42078-2, März 2009, Suhrkamp


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